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Welterbe verstehen

Das UNESCO-Welterbe ist eine Liste von Orten von außergewöhnlichen universellen Wert. Diese Orte sind von großer Bedeutung für die Kultur und Geschichte der Menschheit und müssen daher geschützt werden.

Um in die Welterbeliste aufgenommen zu werden, muss ein Ort mindestens eines der zehn Kriterien des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes erfüllen. Diese Kriterien werden in einem langwieriger, oft mehrere Jahre dauernder Bewerbungsprozess durch das Welterbekomitee geprüft.

Mit Erfolg endete dieser Prozess am 6. Juli 2019 für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, als diese durch das UNESCO-Welterbekomitee offiziell zum Welterbe ernannt wurde.

Die Aufnahme in die Welterbeliste ist eine Auszeichnung für den kulturellen und natürlichen Wert eines Ortes. Sie trägt dazu bei, diesen Ort zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Welterbe - Was ist das?

Erkläranimation über die Idee des Weltkultur- und -naturerbes, ÖUK Österreichische UNESCO-Kommission, CC-BY4.0

Welterbekonvention und Welterbegedanke

In den 1960er Jahren bedrohte der Bau des Assuan-Staudamms im Niltal die berühmten altägyptischen Tempelanlagen von Abu Simbel. Mit einer bis dahin beispiellosen Kampagnerief die UNESCO weltweit zru Erhaltung des Bauwerks auf. Die Rettung gelang durch die hohe Bereitschaft der internationalen Völkergemeinschaft, die Tempel gemeinschaftlich zu schützen und zu erhalten. Aus dieser Erfahrung wurde die Leitidee formuliert, dass "Teile des Kultur- oder Naturerbes von außergewöhnlicher Bedeutung sind und daher als Bestandteil des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden müssen." Sie ist im Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt, der Welterbekonvention, verankert worden.

1972 wurde das internationale Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturgutes der Welt (Welterbekonvention) verabschiedet. Ziel ist es, weltweit einzigartige Kultur- und Naturgüter von außergewöhnlichem universellem Wert als Erbe der ganzen Menschheit zu erhalten.

Die bis heute von 195 Staaten unterzeichnete Welterbekonvention ist das international bedeutendste und erfolgreichste Instrument, das jemals von der Völkergemeinschaft zum Schutz ihres kulturellen und natürlichen Erbes beschlossen wurde. Die Stätten werden auf die UNESCO-Liste des Welterbes eingetragen, die derzeit 1.199 Natur- und Kulturstätten weltweit umfasst (Stand September 2023).

Was macht die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří im weltweiten Kontext einzigartig?

Von den in den Richtlinien der UNESCO festgelegten Welterbekriterien wurden im Rahmen der Welterbenominierung Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří drei von insgesamt sechs möglichen Kriterien für das Weltkulturerbe beantragt.

Die grenzübergreifende „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ setzt sich aus 22 Bestandteilen zusammen, die den prägenden Einfluss der jahrhundertelangen Bergbauaktivitäten auf die Entwicklung der Kulturlandschaft und der mit ihr verbundenen Geschichte bezeugen.

Die Begründung für die Aufnahme der Montanregion Erzgebirge / Krušnohoří in die UNESCO-Welterbeliste ergibt sich insbesondere aus:

Kriterium II

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die herausragende Bedeutung und den starken globalen Einfluss des Sächsisch-Böhmischen Erzbergbaus als Zentrum für technologische und wissenschaftliche Innovation von der Renaissance bis in die Moderne. In unterschiedlichen Epochen der Bergbaugeschichte gingen von der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří bedeutende Errungenschaften im Zusammenhang mit dem Montanwesen aus, die erfolgreich in andere Bergbauregion übertragen wurden oder nachfolgende Entwicklungen maßgeblich beeinflusst haben.

Den technologischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des Montanwesens

Vom sächsisch-böhmischen Erzbergbau gingen herausragende technologische und wissenschaftliche Errungenschaften aus, die die Entwicklungen in anderen Bergbaugebieten weltweit erheblich beeinflussten, darunter beispielsweise Innovationen zur Wasserhebung oder zur Erzverhüttung, die Erstellung erster geologischer Karten, der Druck erster bergbautechnischer Lehr- und Sachbücher oder die Gründung der ersten Montanhochschule der Welt in Freiberg.

Kriterium III

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Zeugnis für die technologischen, wissenschaftlichen, administrativen, pädagogischen und sozialen Aspekte, die die immaterielle Dimension der Traditionen, Vorstellungen und Überzeugungen der Menschen in Zusammenhang mit der vom erzgebirgischen Montanwesen geprägten Kultur unterstreichen.

Der Herausbildung eines staatlich-kontrollierten Bergbauwesens

Das im Erzgebirge entwickelte und später in ganz Europa weit verbreitete staatlich-kontrollierte Bergbausystem (Direktionsprinzip) hat nicht nur die Bergbauverwaltung als solche revolutioniert, sondern wirkte sich auch auf das Rechtswesen und die Finanzierung von Bergbauprojekten aus. Es war damit ein Hauptantrieb für die dynamische Entwicklung des Bergbaus in der Region. Darüber hinaus hat es auch die gesellschaftlichen Umstände geprägt und die Herausbildung einer auf dem Bergbau beruhenden Kultur (siehe u.a. Bergparaden) begünstigt.

Kriterium IV

Die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří ist ein außergewöhnliches Beispiel einer grenzübergreifenden Region, in der sich durch über 800 Jahre andauernden Bergbau (12.-20. Jahrhundert) eine einzigartige montane Kulturlandschaft herausgebildet hat.

Der Herausbildung einer vom Bergbau geprägten montanen Kulturlandschaft

Auf Grundlage der außergewöhnlichen Vielfalt an Erzen (Rohstoffen) und deren Konzentration auf bestimmte Bereiche entstand durch das Montanwesen eine grenzübergreifenden montane Kulturlandschaft, die bis heute an den Bergstädten und den zugehörigen Erzbergbaulandschaften sichtbar und so im weltweiten Kontext einzigartig ist.